Dacher Keltner hat eines der beeindruckendsten Bücher geschrieben, die ich im Bereich Psychologie je gelesen habe. Es heißt „Das Machtparadox“ (The power paradox im englischen Original) und zeigt, wie wir Macht erlangen und wieder verlieren.

Empathie ist einer der Schlüssel zur Macht, leider verlieren wir sie aber allzu leicht wieder, wenn wir uns mächtig fühlen. „Macht korrumpiert“ ist also nicht abwegig. Wieso gibt es in dieser Welt so viele brutale Mächtige?

Ich vermute, weil wir wenig in Traditionen leben. Der moralische Rahmen ist individuell erweiterbar. „Noblesse oblige“ – wer kennt diesen Ausdruck noch?

Dadurch wechseln aber „die da oben“ schneller, sollte man Keltner’s Theorie glauben. Die Systeme werden instabil, wenn Mächtige keine inneren oder äußeren Schranken spüren („alles ist möglich“) und zugleich keine Empathie und kein Mitgefühl kultivieren. „Sich abgrenzen“ und „Selbstbewusstsein“ im Sinne eines starken, aber unflexiblen Egos bergen das Risiko, an Einfluss zu verlieren. Demagogen können es über eine gewisse Zeit schaffen, Macht aufrecht zu erhalten, indem sie Lügen erzählen. Wenn aber alle Lügen – wem vertrauen wir?

Nun, lügen alle? Wie erkennen wir Lügen? Am leichtesten nonverbal. Das beste Beispiel kennen wir aus Kindertagen: Pinocchio. Eine Marionette, die eine lange Nase bekommt, sobald sie lügt. Eine Puppe, die gerne ein kleiner Junge wäre mit menschlichen Eigenschaften. Denn im Grunde ist sie sehr naiv und beeinflussbar.

Wir können uns selbst fragen, wo wir nur Marionetten sind. Wo wir lieber Lügen auftischen als zur Wahrheit zu stehen.

Meine Wahrheit ist: ich würde liebend gerne mehr tun für die Welt, aber momentan komme ich an Grenzen. Ich kann meditieren, ein wenig geben, aber auch ich sehe immer wieder wie Menschen den direkten Kontakt meiden, wenn sie Dinge tun, die von Angesicht zu Angesicht Hemmungen auslösen würden.

Wer will, kann den Dingen ins Gesicht sehen. Ich lade dazu ein. Denn was Buddha nach seiner Erleuchtung sagte, ist wahr: Leben ist Leiden. Wir leben im Schlaraffenland, in der westlichen Welt auf Kosten von Menschlichkeit, die in anderen Ländern zu verheerenden Folgen führt, während wir mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen zu kämpfen haben.

Aber es gibt immer noch Menschen, die helfen. Hier ein Bericht von Unicef. Für alle Mächtigen und Reichen, die ihren Einfluss nicht verlieren wollen. 

https://www.unicef.org/press-releases/nearly-70000-children-displaced-violence-escalates-northeast-syria

Ich empfehle, das Buch von Dacher zu lesen. Am besten im Original; es ist gut verständlich und zeigt anhand wissenschaftlicher Forschung  Mechanismen der Macht.

https://www.penguin.co.uk/books/187/187570/the-power-paradox/9780718197636.html

Machtparadox