Als ich einmal sagte, ich arbeite mit positiver Psychologie, bekam ich die Frage: gibt es denn auch negative Psychologie? 

Natürlich ist der gemeinsame Nenner die Psychologie. Historisch gesehen wurde aber lange untersucht, wann der Mensch „böse“ wird – z.B. im Milgram-Experiment – oder wie die Mechanismen von Angst, Wut, Aggression sind.  

Die positive Psychologie zeichnet sich dadurch aus, dass sie gezielt auf das schaut, was es an Gutem im Menschen gibt. Das heißt jedoch nicht, dass Ziel sein kann, nur noch positive Gefühle zu haben. Oder dass dies der menschlichen Natur entspricht.

Das Leben IST ein Ponyhof – aber mit Stall- und Fellpflege.

Nehmen wir das akute Verliebtsein. Irgendwie funktioniert das Hirn anders. Hormonelle Verwirrung, Blitze in Neuronen, Neustrukturierung – wie auch immer – Verliebtsein ist etwas anderes als Routine. Da man den anderen noch nicht kennt, ist vieles aufregend, erregend, faszinierend neu. Wir „funktionieren“ vielleicht nicht mehr wie gewohnt. Einerseits rosarote Brille, andererseits starke Gefühle wie Eifersucht oder Sehnsucht. Wer nun kategorisch Eifersucht ausschließt oder sie verurteilt, macht es sich schwer. Denn schließlich kennen wir den anderen noch nicht gut. Es mag unklar sein, was der andere an uns mag – und wenn wir Single waren, ist es nicht unwahrscheinlich, dass vor der neuen Beziehung eine Trennung lag; vielleicht schmerzt auch die noch. 

Es gibt Kommunikationsverhalten, die schnell über negative Gefühle hinwegführen, und solche, die die Situation verschlimmern. Auch die Psychologie hat ihre vier Apokalyptischen Reiter bei Paaren gefunden. Zwei davon sind: „Mauern“ (was eher typisch Mann ist) und Verteidigung (was eher typisch Frau ist). Es gibt aber auch einfache Methoden, die schnell zu mehr Empathie führen.

Die, die jede/r Berater/in aus dem Eff-Eff können sollte, ist Aktives Zuhören. Und damit können wir zwei „Reiter“ schon recht einfach vom hohen Ross holen, denn wir gewinnen Zeit und Klarheit. Natürlich kommt es darauf an, wie man zuhört – es mag einen Unterschied machen hin zu einer raschen Deeskalation, wenn wir das Positive hören und wiedergeben.

Zuzuhören kann man bei vielen Trainern lernen. Aber aktives Zuhören lernt man wie andere Dinge auch vor allem durch Übung. Es heißt „aktives“ Zuhören! Und dazu gehören immer zwei.

Also: lernt aktives Zuhören. Dann bildet Paare und übt. Es ist günstig, dies unter guter Anleitung zu tun. Meiner Erfahrung nach hat nicht jeder den Dreh gleich raus. Vorerfahrung und Talent spielen eine Rolle, auch die Lebenssituation, Beziehungen, in denen man sich befindet. 

Ich wünschte, es würde mehr Wert gelegt auf Zuhören und flexibles Verhalten als darauf, sein Ziel in jedem Fall zu erreichen. 

Positiv?